
Wir leben mitten in einer Revolution. Manche nennen diesen Prozess “Digitalisierung des Finanzwesen”.
Ich nenne sie “Moneyrevolution” und schaffe dafür ein Motiv.
Geld befreit sich von seiner Dingleichkeit
Das Geld befreit sich aus seiner Dinglichkeit, seinem Zwang, an ein Objekt gebunden zu sein. Noch sind diese Objekte schmutzige Papierfetzen mit bunten Bildern oder klebrige Münzen, die den Wert der Währungen symbolisieren, an die wir glauben sollen. Doch das Geld entledigt sich dieser unbequemen Dinglichkeit nach und nach. Es wird immer mehr ausschließlich Symbol dessen Repräsentant eine digitale Information ist.
Kubanischer Geldschein als ikonisches Symbol
Meiner ARTmoney-Ikone für diese digitale Revolution liegt ein Geldschein aus Kuba zugrunde. Der kubanische 3-Pesos-Geldschein mit dem Porträt von Ernesto “Che” Guevara ist ein beliebtes Sammlerstück, das sowohl historisch als auch sicherheitstechnisch bemerkenswert ist. Das Hauptmotiv der Vorderseite zeigt ein Porträt von Che Guevara, basierend auf dem berühmten Foto „Guerrillero Heroico“ von Alberto Korda. Die Aufschrift lautet „BANCO CENTRAL DE CUBA“, „3 PESOS“, „ERNESTO GUEVARA“.
Von Planwirtschaft und innerdeutscher Flucht
Die im Originalgeldschein vorherrschende rot-braun-beigen Töne werden durch die Umwandlung in’s Negativ und durch meine wütende Spielerei mit Gradationskurven, Farbreglern und Sättigungsgraden abstrahiert und zu glitzernden, metallisch schimmernden Nuancen der Fülle und der Pracht.
Die Rückseite erinnert mich an meine eigene Jugend in der sozialistischen Planwirtschaft der DDR. Die Gestalter des Wertpapiers zeigen Che Guevara bei der freiwilligen Arbeit auf einem Zuckerrohrfeld. Natürlich geht der große kommunistische Revolutionsführer voran bei der ach so freiwilligen Arbeit für die sozialistische Gemeinschaft. Ich war zwangsrekrutiert in der Apfelernte tätig. Damals, 1989 beobachteten wir als blutjunge Studenten aus der Ferne von unseren Apfelfeldern die Züge der Menschen, die dem Sozialismus den Rücken kehrten, die aus der Ungarischen Botschaft in den schönen bunten Westen flohen. Ich lache mit tot, wenn ich den Text auf der Rückseite des Kuba-Scheines lese: „CHE – PRECURSOR DEL TRABAJO VOLUNTARIO“ (Che – Wegbereiter der freiwilligen Arbeit). Es war Zwangsarbeit, die wir Studenten leisten mussten, bevor wir die Uni von innen sehen durfte! Und ich vermute, im sozialistischen Bruderland Kuba war es nicht anders.
Sicherheitsfaden: Vaterland oder Tod
Der Oiginalschein bietet noch einige spannende Gestaltungselemente, die ich in meiner Umsetzung aus Gründen der Fokussierung auf das Iconische eliminiert habe. Das Wasserzeichen zeigt ein Porträt von Celia Sánchez Manduley, einer Revolutionärin und engen Vertrauten Fidel Castros. Der durchgehende Sicherheitsfaden hat die Mikroprägung „PATRIA O MUERTE“ (Vaterland oder Tod).
Dem Geld gegenüber feindlich gesinnt
Ernesto Che Guevara, der auch auf meinem ARTmoney die legendäre und zentrale Bildicone bleibt, hatte eine unmissverständlich kritische, ja fast sogar schon feindliche Haltung gegenüber dem Medium Geld als gesellschaftlichem Steuerungsinstrument.
Auch die Revolution braucht Geld
Die Existenz des Geldes allein ist Ausdruck kapitalistischer Ungleichheit
Che betrachtete Geld als Symbol für die Ausbeutung und die damit verbundenen Klassenunterschiede. Für ihn als Revolutionsführer war das kapitalistische System darauf ausgelegt, Reichtum in den Händen weniger zu konzentrieren, während die Mehrheit arm bleibt. Und dennoch brauchte er Geld, sehr viel Geld, um Waffen für die Revolution zu beschaffen.
Moralische Anreize sollen Geld als Medium überflüssig machen
Materielle Anreize sollten im Sozialismus zurückgedrängt werden
Che war ein großer Verfechter der Idee, dass eine sozialistische Gesellschaft nicht durch materielle Anreize, sondern durch moralische Stimulation (Pflichtgefühl, Solidarität, Bewusstsein) funktionieren sollte. Er schrieb darüber u.a. in seinem Text „Der Sozialismus und der Mensch in Kuba“. War wohl kein Bestseller.
Kein Geld für niemanden
In seiner Vision des Kommunismus sollte Geld allmählich seine Bedeutung verlieren und irgendwann vollständig verschwinden. Dabei ging es nicht nur um eine ökonomische Änderung, sondern um eine Transformation des Menschen („El hombre nuevo“), der nicht für Profit, sondern aus moralischem Antrieb handelt. Hat das die Kirche nicht auch schon versucht?
Der asketische Revoluzzer
Persönlich lebte Che extrem bescheiden. Er war bekannt dafür, einen fast asketischen Lebensstil zu führen. Che verfügte kaum über persönlichen Besitz. Später als Minister in Kuba verzichtete er auf viele Privilegien.