Am 28.12.2025 verstarb mein lieber Lehrer und Professor Jürgen Heinemann in Potsdam.
Lieber Professor Jürgen Heinemann, ich trauere um Sie!
„Du, Jürgen!“ Es ging mir damals schwer über die Lippen! Alle dutzten sie Dich, die Studierenden. Das informelle „Du“ suggerierte und suggeriert noch heute, Du wärest jedermanns bester Kumpel an der FH. Dem war nicht so! Ich spürte Deinerseits auch bei größter Nähe immer diese beobachtende Distanz des Fotografen. Heute weiß ich, warum.
Dich zu duzen fiel mir wirklich schwer, Jürgen. Sie waren ja schließlich mein Professor! Die autoritäre Dressur steckte mir noch tief im Benehmen. Mit solch höfisch bürgerlichen Distanzspielen konnte ich mich vor Dir nicht verstecken, damals, in den 90ern an der Fachhochschule für Gestaltung in Bielefeld. Niemand konnte das!
Das „Du“ empfinde ich hier und jetzt als jovial und halte angesichts meines Gedenkens die pronominale Höflichkeitsform für angemessen.
Lieber Professor Jürgen Heinemann, Sie waren nicht mein Professor, Sie bleiben es für immer, Sie bleiben mein Professor für Fotojournalismus und ein persönliches Idol. Von Ihnen habe ich das Sehen gelernt!
Lieber Herr Professor Jürgen Heinemann, Ihre Autorität war gewaltig.
Ihr Blick war ein zum Objektiv geschmiedetes Schwert.
Ihre Sicht deckte auf und veränderte das Gesehene. Das gilt für ihre Fotos und ich meine es auch bezogen auf Ihre Lehre.
Ihr Blick veränderte die Sicht ihrer Schüler. Wie viele Sichtweisen haben Sie wohl auf den richtigen Weg gebracht? Und trotzdem war Einsamkeit einer Ihrer engsten Vertrauten. Sie haben es geliebt, unter Ihren Schülern zu sein.
Die sanfte Bestimmtheit Ihres Blickes offenbarte und ließe sich nie wieder zurücknehmen.
Worte spielten in Ihrer Lehre eine untergeordnete Rolle. Doch die wenigen Worte, die sie an uns, Ihre Schüler (und Fans) richteten, waren präzise und messerscharf. Lag zwischen ihnen doch stets aufmerksames Sehen, kritisches Beobachten und sehr langes Betrachten.
Lieber Professor Heinemann, es quälte meinen jungen hyperaktiven Geist so sehr, dieses stundenlange Betrachten. Doch das war echte Lehre! Was ich damals bei Ihnen qualvoll geduldig erlernte, sind mir heute unentbehrliche Superkräfte. Danke.
Die Augen-Blicke, die wir teilten, haben keine Worte und sind dennoch tief eingebrannt in meine Seele.
Wenn es einen *ismus gibt, dem Sie verbunden waren, dann war das der Humanismus.
Ich gehe jetzt in diese Nacht und nehme meine Erinnerungen an Sie mit in meinen Traum. Vielleicht treffe ich Sie, dort, im Bardo?